Kontaminationfälle

homepageclipdealer A9660698 photo jpg s     GV-Flachs verunreinigt die gentechnikfreie Produktion in Kanada

Einmal in die Umwelt freigesetzt, sind gentechnisch veränderte Organismen (GVO) kaum aufzuhalten oder zu kontrollieren. Ungewollte Verunreinigungen von GVO-freien Betrieben können praktisch nicht verhindert werden. Zu diesem Fazit kommt ein Bericht des Canadian Biotechnology Action Network (CBAN), eine kanadische Nichtregierungsorganisation, die der Gentechnologie kritisch gegenübersteht. In Kanada werden GVOs seit fast zweieinhalb Jahrzehnten kommerzialisiert. Der neu veröffentlichte Bericht fasst das erste Mal alle GV-Ausbreitungs- und Kontaminationsfälle in Kanada zusammen. Er zeigt, dass in dieser Zeit zahlreiche gentechnisch modifizierte Organismen, u.a. Raps, Flachs, Weizen und sogar Schweine, versehentlich in die konventionelle und ökologische Produktion gelangt sind.

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Laut Angaben von Greenpeace wird Gentech-Reis in Zentralchinas Reiskammer Hubei in grossen Mengen illegal angepflanzt und ist bereits in die Nahrungsmittelkette gelangt. Es handelt sich um schädlingsresistenten Bt-Reis, der nach den Gesetzen der Volksrepublik China nicht angepflanzt werden darf.

Gegen das Verbot werde bereits zwei Jahre lang verstossen. Geschätzt wird, dass 950 bis 1.200 Tonnen Reis im vergangenen Jahr bereits verkauft wurden.

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Vorfälle mit Gentech-Kontaminationen, illegalem Anbau und negativen Effekten auf die Landwirtschaft.

Greenpeace und GeneWatch UK haben ein erstes online-Register für GVO- Kontaminationen im Internet aufgeschaltet. Der weltweite Anbau von Gentech-Pflanzen auf 80 Millionen Hektaren haben zu unzähligen ungewollten Verunreinigungen von Lebensmitteln, Futtermitteln und Saatgut geführt. Über 60 Zwischenfälle sind bekannt, wo illegale Verunreinigungen stattgefunden haben. Sie betreffen alle Kontinente und insgesamt 27 Länder.


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Verwechslung von Saatgut ist ein Risikofaktor.

Die Kontrollen von gentechnisch verändertem Saatgut scheinen in den USA nicht zu greifen. Ein Biotech-Konzern brachte jahrelang staatlich nicht zugelassene Maissaat aus - ein Versehen, wie das Unternehmen Syngenta versichert. Der Agrarkonzern und die US-Regierung hielten den Fehler monatelang geheim.

Vier Jahre lang verkaufte und benutzte Syngenta eine Variante ihres gentechnisch veränderten Bt-Maises (Bt10), die weder in den USA noch Europa zugelassen ist. Syngenta produzierte und vertrieb zwischen 2001 und 2004 mehrere hundert Tonnen des Bt-10-Saatguts. Insgesamt seien etwa 150 Quadratkilometer mit dem Bt-10-Mais bepflanzt worden. Der aktuelle Vorfall erinnert stark an den StarLink-Fall aus dem Jahr 2000, als ebenfalls versehentlich gentechnisch veränderter Bt-Mais für Nahrungsmittelprodukte verwendet wurde. Auf Grund möglicher allergischer Reaktionen wurde der Mais, der bis dahin nur an Tiere verfüttert worden war, wieder aus dem Handel genommen. Die Rückholaktion kostete der Nahrungsmittelbranche eine Milliarde. Dollar.

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LL601 ist ein gentechnisch veränderter, herbizidresistenter Reis des deutschen Konzerns Bayer CropScience. Seine Entwicklung fand in den USA statt und wurde eingestellt, nachdem er zwischen 1998 und 2001 auf Feldern der Louisana State Universität getestet worden war. Da er nirgendwo eine Zulassung hat, dürfte er in keinem Land der Welt in der Nahrungsmittelkette auftauchen. Doch im August und September ist genau das passiert: LL601 ist in Basissaatgut und Reiscontainern in den USA, in Schiffsladungen in Rotterdam, in Reissilos der Migros in Basel und in Reisprodukten von Aldi in Deutschland entdeckt worden.

Lebensmittelkonzerne wie zum Beispiel Migros und Coop nahmen gewisse Reisprodukte vorsorglich aus den Regalen. Trotzdem ist nicht auszuschliessen, dass LL601 auch zu den KonsumentInnen gelangte. Denn der Reis könnte schon länger unentdeckt in der Nahrungsmittelkette sein. Ob von den Verunreinigungen eine Gesundheitsgefahr für die KonsumentInnen ausgeht? Die zuständigen Behörden in der Schweiz, Deutschland und der EU verneinen. Auch wenn der Verzehr von LL601 nicht schädlich sein sollte, aus Sicht der öffentlichen Gesundheit ist der Fall dennoch bedenklich. Denn er weist darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen, die ein Entweichen unbewilligter Gentech-Pflanzen verhindern sollten, entweder unzureichend sind oder nicht eingehalten werden.

Einige Reaktionen zur LL601-Kontamination:
Die EU-Kommission verhängte eine obligatorische Kontrollen für Reisimporte aus den USA. Langkorn-Reis aus den USA durfte nur noch dann in die EU eingeführt werden, wenn er nachweislich frei von Spuren der nicht zugelassenen gv-Reislinie LL601 ist.

Deutschland (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)) koordinierte das Überwachungsprogramm für LL601-Gentech-Reis in der EU.

Die Bundesregierung gab bekannt, dass in Deutschland bereits in 45 Lebensmittelproben Spuren von gentechnisch verändertem Reis nachgewiesen werden, der aus Importen aus den USA und China stammt. Die Hersteller hätten bislang 10’000 Tonnen Reis und Reisprodukte freiwillig zurück gerufen. Die entstandenen Kosten würden mit 10 Millionen Euro beziffert.

Friends of the Earth haben eine Anfechtungsklage gegen die Food Standards Agency erhoben. Sie wollen, dass ein Gericht die Aktivitäten der Food Standards Agency überprüft und ob die Tätigkeiten der Agentur mit dem EU-Recht übereinstimmen (das Vorkommen des unbewilligten LL601-Reis in Lebensmitteln ist in der EU illegal).

Das Public Health Department von Malta warnte vor dem Konsum von «Blue Ribbon Golden Parboiled Long Grain Enriched Rice» und «Uncle Ben’s Enriched Parboiled Long Grain Rice». Das Public Health Department rief auf einen Batch (No. 625LKGRV045) nicht zu konsumieren und zu retournieren.

Die griechische Hellenic Food Authority (EFET) wurde von Greenpeace unter Druck gesetzt, weil der kontaminierte Reis nicht sofort aus den Geschäften zurückgezogen wurde. Die EFET beteuerte, dass Firmen eine Anklage drohe und mit grossen Bussen rechnen müssten.

Indiens Top Reisexporteure und Reisbauern warnen die Regierung vor weiteren Freisetzungsversuchen mit Gentech-Reis. Dies könnte die Existenz von Millionen Bauern, welche gentechnikfreien Reis produzieren, untergraben. Der indische Supreme Court hat neue Tests suspendiert.

Thailand ist einer der weltweit grössten Reisexportländer. In den letzten Monaten sind die Bestellungen von gentechfreiem Reis markant gestiegen, vor allem aus Europa – eine direkte Folge der Gentech-Kontaminationen in US-Langkornreis.

Die US Rice Federation hat ein Seed Committee einberufen, um ab 2007 Kontaminationen mit LibertyLink-Reis zu eliminieren.

Das U.S. Department of Agriculture und die U.S. Food and Drug Administration kündigten bereits im August 2006 an, dass das APHIS (Animal and Plant Health Inspection Service) eine Untersuchung zum LL601 durchführen werde und überprüfen werde, ob eine Verletzung der USDA-Regulierung vorliege. Nun hat das USDA den LL601-Reis zugelassen. Das Department of Agriculture erklärt den LL601-Reis als sicher für den Konsum.

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Die USA ist nach den ökonomischen Verlusten ihrer Reisindustrie durch Gentech-Kontaminationen (Bayer-Gentech-Reis LL601) bemüht, den Nicht-Gentech-US-Reisanbau frei von GVO zu halten.

Die Reissorte Clearfield 131 von BASF ist nicht gentechnisch verändert und sollte frei von gentechnisch eingbauten Veränderungen sein. Dennoch wurden im Test einer privaten Firma Spuren von Fremd-Genen entdeckt (vom Gentech-Reis LLRice604 von Bayer CropScience).

Das US-Landwirtschaftsministerium hat sodann den Anbau der Reissorte Clearfield 131 untersagt. Die Landwirte sollten entsprechende Pflanzungen zerstören. Dies weil die Quelle der Verunreinigung, der LLRice604, keine Zulassung hat.

Die gentechnische Verunreinigung mit einer weiteren Gen-Reisvariante macht deutlich, dass die Industrie die Gen-Pflanzen nicht unter Kontrolle hat und die Behörden mit schwierigen Situationen konfrontiert werden.